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„Taufe Jesu Fenster“
Geschrieben von Martin Mensing   
Mittwoch, 25. April 2007

ImageKurz vor dem Kirchweihfest an Pfingstmontag entwickelt sich die 100 Jahre alte Pfarrkirche St. Peter und Paul Nienborg immer mehr zu einer Schatzkammer. Nach dem Fund der historischen Leuchterengel in der letztjährigen Adventszeit machten Pfarrer Josef Leyer, Pfarrer em. Wilhelm Niehaves und Organist Klaus Halmich zu Beginn der Karwoche einen weiteren sensationellen Fund. Im Zuge der Renovierungsarbeiten spürten sie das über Jahrzehnte verschollene „Taufe Jesu Fenster“ wieder auf. Zur Vorbereitung auf das Kirchweihfest am 28. Mai schauten sie sich das Gotteshaus noch einmal genauer an. In der Kammer neben der Orgelbühne standen zwischen Leitern, Figuren und Kirchenbänken vier hölzerne und verschraubte Kisten, dessen Inhalt ihnen bislang nicht bekannt war. Sie hofften, dass sich dort möglicherweise das „Taufe Jesu Fenster“ befindet, das bis zur Kirchenrenovierung und –umgestaltung 1969-71 das Westportal in der alten Taufkapelle zierte. Die Stelle hinter der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Pieta weist deutliche Umrisse eines Fensters auf. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass das Fenster dort mit eingemauert oder aber zerstört wurde. Im günstigsten Fall lag es an einer unbekannten Stelle im Gotteshaus. Sodann machten sie sich daran, die Kisten der Reihe nach zu öffnen. Zunächst war die Enttäuschung groß, weil sich in den ersten beiden Kisten „nur“ Ornamentglasfenster befanden. Beim Öffnen der dritten Kiste stieg die Spannung. Nachdem sie den Deckel beiseite gelegt hatten, blickten sie zunächst auf zwei spitzbogige Bildteile. Als sie die beiseite gelegt hatten, strahlte ihnen die Bildspitze des „Tauf Jesu Fensters“ entgegen: der Lichtstrahl, der von der Taube auf die Häupter von Jesus Christus und Johannes der Täufer scheint. „Da waren wir uns sicher: Das muss es sein“, ist Josef Leyer die große Freude über diesen Fund deutlich anzumerken. Nach und nach holten sie die neun Einzelteile aus der Kiste heraus und legten die mit leicht biegsamer Bleiverglasung eingefassten neogotischen Glasmalereien sehr vorsichtig zu dem circa 2,2 x 0,8 Meter großen Fensterbild auf einer Glasplatte zusammen. Durch die Strahler wird die Farbenpracht hervorgehoben, die eine mystische bis feierliche Stimmung erzeugt und das Bild entfaltet seine Wirkung.
„Es ist das Beste, was uns zu Ostern passieren konnte“, sieht Pfarrer Josef Leyer beim Blick auf das mit Strahlern von der Unterseite angestrahlte „Taufe Jesu Fenster“ ein passendes Zusammentreffen mit dem bevorstehenden Fest. So ist das Fenster die bildliche Darstellung der Osternachtfeier, in der das Taufwasser geweiht und das Taufversprechen erneuert wird.

Auf der rechten Seite des Bildes steht Johannes der Täufer. In seiner rechten Hand hält er eine Muschel und gießt Wasser auf das Haupt Christi. In der linken Hand hält Johannes einen langen Stab, der das Schriftband „Seht das Lamm Gottes“ ziert. Jesus steht links neben Johannes. Er steht mit beiden Füßen im Wasser und hat seine Hände hingebungsvoll zum Gebet gefaltet. Die Spitze des Bildes ziert die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Von ihr geht ein Lichtstrahl bis auf das Haupt Christi herunter. Neben einem Wappen ist im unteren Fensterteil eine lateinische Inschrift, die Josef Leyer mit „In Erinnerung des Vaters“ übersetzt. Weiter ziert der untere Bildteil den Erschaffer des Fensters: Wilhelm Derix, Goch und Kevelaer. Nach Meinung von Pfarrer em. Niehaves wurde das Fenster im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Kirchenneubau oder nach dessen Fertigstellung entworfen und eingesetzt, so dass das Bild etwa 100 Jahre alt sein dürfte.
„Wir wissen noch nicht, was wir mit dem Fensterbild machen werden“, hat sich Pfarrer Leyer über die weitere Verwendung noch keine genauen Gedanken gemacht. Durch die über Jahrzehnte aufeinander liegende Lagerung und den der Stabilität dienenden Sturmeisen hinter den Einzelteilen hat sich die Bleiverglasung stark verbogen, die durch die Holzwolle nicht ausgeglichen werden konnte, macht Pfarrer Leyer die Notwendigkeit einer Restaurierung deutlich. Auf jeden Fall wird es in der Ausstellung beim Kirchweihfest im Haus Hugenroth zu sehen sein, versichert Pfarrer Leyer, dass dann die gesamte Bevölkerung das Bild erleben kann.

Weitere Bilder in der Gallerie. 

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