|
„50 Sack Kleidung für ein Kinderdorf“ heißt die Überschrift in der Festschrift der Katholischen Frauengemeinschaft St. Peter und Paul Nienborg zum 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1997. Der Titel steht über einem Foto fleißiger Frauen aus Nienborg, die Ende der 80er Jahre im Kloster Bardel Kleiderspenden für das Kinderdorf Cidade da Crianca in Brasilien packen. In diesem Jahr wird die Aktion „Kinderdorf in Salvador“ der Nienborger kfd 20 Jahre alt. Erstmalig sammelten die Frauen in der Woche nach Ostern 1988 gut erhaltene Kleidung für das Kinderdorf in Simoes Filho im Bundesstaat Bahia. Diese Aktion ist eine von vielen Unterstützungsprojekten des Aktionskreises Pater Beda vom Kloster Bardel. Pater Beda, Franziskaner, Initiator und Motor einer vielfältigen Brasilienhilfe kann sich noch gut an die Anfänge der Aktion in Nienborg erinnern. „Damals habe ich mit einem Diavortrag bei der Frauengemeinschaft in Nienborg über Brasilien berichtet, da kamen die Frauen auf mich zu und wollten sich für die armen Menschen engagieren“, berichtet er, dass die Idee ganz spontan kam und diese Aktion Dank vieler Helferinnen zu einem großen Erfolg wurde. Dabei zollt er der Nienborger kfd ein großes Lob für ihren unermüdlichen Einsatz für die Armen in der Dritten Welt. Mechthild Mensing, Ehrenvorsitzende der kfd, kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als sich die Frauen der kfd mit Pater Beda im Kloster Bardel einen „schönen Nachmittag machten“, als sie sich zum Packen und zur Kaffeetafel mit selbst gebackenem Kuchen auf den Weg nach Bardel machten. Anfangs musste die kfd auch für die Frachtkosten aufkommen, wozu bei den Adventsfeiern der kfd und der Seniorengemeinschaft gesammelt wurde. „Heute werden Kleider in der Bardel durch Jugendliche aus dem Kloster Bardel und Umgebung gepackt und vom Aktionskreis mit dem Schiff auf den Weg nach Brasilien geschickt“, zeigt Udo Lohoff, Mitarbeiter im Büro von Pater Beda, die heutige Prozedur auf, wobei die Transportkosten durch den Aktionskreis übernommen werden. Lohoff hat sich Anfang Januar dieses Jahres selbst ein Bild vor Ort im Kinderdorf gemacht. Freudig berichtet er, dass dort ein Speisesaal fertig gestellt werden konnte, in dem täglich 300 Kinder und Jugendliche aus dem Kindergarten, der Grundschule und den berufsbildenden Kursen mit drei Mahlzeiten versorgt werden. Lohoff macht deutlich, dass Bildung der beste Weg ist, dem dortigen Elend zu entkommen. Die „Cidade Da Crianca“ ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche mehr als Betreuung Schulbildung erfahren. Sie erhalten Selbstvertrauen, Halt und Anerkennung. Die Struktur des Kinderdorfes war mit den 12 Häusern und den dazugehörigen Gemeinschaftseinrichtungen großzügig angelegt. In der Mitte haben die Kinder viel Platz zum Spielen. Die Gebäude wurden den neuen Anforderungen angepasst und werden vielfältig genutzt: Im Kinderhort werden ca. 40 Kinder betreut, Sie werden von Müttern aus der Pfarrei zur Betreuung dort hin gebracht. Im Kindergarten und der Schule erhalten die Kinder notwendige Grundlage für ihre Zukunft. Mit pädagogischer und religiöser Begleitung entdecken hier junge Menschen Gott und die Welt. Den Erziehern ist Musik ein wichtiges Mittel, um soziales Verhalten einzuüben. Durch den Unterricht bekommen die Kinder einen neuen Zugang zu sich selbst und zu ihrer Umwelt. Neben der allgemeinen Bildung haben Jugendliche aus Elendsvierteln die Möglichkeit, in verschiedenen Berufskursen ihre Zukunft aufzubauen. So bietet die Einrichtung Möglichkeiten zur Ausbildung in vielseitigem Gartenbau, Vieh- und Fischzucht, Industrieküche und Computerkursen. Außerhalb der Institution stehen Industriebetriebe bereit, Jugendliche zu Automechanikern oder Elektroinstallateuren auszubilden. Hinzu kommen Seminare über Umweltschutz und Gesundheitsbetreuung. Alle Kurs und Ausbildungsteilnehmer erhielten bislang einen festen Arbeitsplatz. Die Erzeugnisse aus den Produktionsbereichen dienen der Eigenversorgung. Der Überschuss wird vermarktet und sichert damit einen Teil des Unterhalts. Auch wenn die Stadtverwaltung, die Pfarrei und befreundete das Kinderdorf unterstützen, so sind die Kinder und Jugendlichen für den vollständigen Unterhalt und den weiteren Ausbau auch zukünftig auf die Hilfe von Freunden aus dem Ausland angewiesen. So bitte die Nienborger Frauengemeinschaft auch in diesem Jahr wieder um Unterstützung. Die gut erhaltene Kinderkleidung kann an folgenden Tagen im Pfarrheim auf der Burg in Nienborg abgegeben werden: Montag bis Mittwoch in der Zeit von 9 – 12 Uhr sowie am Freitag und Donnerstag in der Zeit von 14 bis 18 Uhr. Eindrücke vom Kinderdorf finden Sie in der Online-Galerie.
|