| Eröffnung und erste Sitzung des Philosophischen Lesekreises |
| Dienstag, 9. November 2010 | |
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Eröffnung des Philosophischen Lesekreises der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz Heek
Heek, am 22. Oktober 2010
Verlaufsplan der 1. Sitzung des Philosophischen Lesekreises.
1. Begrüßung der Teilnehmer. 2. Abstattung eines Dankes. 3. Einleitung in den PLK. 4. Pause. 5. Fragen, Wünsche und Erwartungen der Teilnehmer an den PLK. 6. Festlegung inhaltlicher und organisatorischer Absprachen. 7. Literatur zum Philosophischen Lesekreis. Ein Spannungsbogen.
1.Begrüßung:
Sehr geehrte Damen und Herren Teilnehmer des Philosophischen Lesekreises! Ich darf Sie recht herzlich zur Eröffnung des Philosophischen Lesekreises der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz Heek hier im schönen neu errichteten Kreuzzentrum begrüßen.
2.Abstattung eines Dankes: Zunächst möchte ich allen herzlich danken, die das Zustande-kommen des PLK mit viel Wohlwollen und Interesse ge-fördert haben. Namentlich möchte ich nennen:
· Pfarrer Josef Leyer, Hausherr dieses schönen neuen Kreuzzentrums, welches er auch für unsere Sitzungen zur Verfügung stellt. Mit einem etwas abgewandelten Pieper-Wort möchte ich sagen: Bedeutende Fördernis durch ein gutes Wort. Also herzlichen Dank Pfarrer Josef Leyer! · Pfarrer Johannes Schultewolter, Schwester Maritraud und Katharina Helmich, Schwester Pia Buesge, und Manfred Gerwing.
Nicht zuletzt aber möchte ich Ihnen danken, verehrte Damen und Herren, die sie heute Abend mit mir gemeinsam den Philosophischen Lesekreis der Heilig Kreuz Gemeinde Heek eröffnen!
3.Einleitung in den PLK:
Mit Recht werden Sie sich gefragt haben, verehrte Damen und Herren, was es nun mit der Einrichtung eines Philosophischen Lesekreises in der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz Heek auf sich hat. Und da sind zugleich mehrere Dinge, die mitgedacht und mitgefragt sind und die ich Ihnen vorstellen möchte. Die Frage, die ich mir zur Einleitung in den Philosophischen Lesekreis gestellt habe, lautet:
Was kann also einen vernünftig denkenden, heutigen Menschen bewegen, an einen „Philosophischen Lesekreis“ teilzunehmen?
Nicht wenige Firmen sprechen heutigentags von ihrer „Firmenphilosophie“, von der „Philosophie eines Produktes“ oder gar von einer „firmeneigenen“ Lebensphilosophie. Oder: In der Münsterlandzeitung und in anderen Zeitungen und Zeitschriften findet man zuhauf Überschriften mit folgenden Inhalten:
· Stress im Beruf sorgt für schlechten Schlaf. · Wie heilig ist der Sonntag? · Gericht verbietet offene Geschäfte an vier Adventssonntagen. · Jeder Zweite (Deutsche?) hat Schlafprobleme. · Ein zeitgemäßes Urteil zu den Ladenöffnungszeiten. · Arbeit macht immer mehr Menschen krank. · Stress macht immer mehr Arbeitnehmer psychisch krank. · Arbeitsalltag wird immer belastender. · Deutsche sollen auf Urlaub verzichten. · Einkauf am Sonntag bleibt die Ausnahme. · Glücksmomente und kein Ende. · 21 Tote bei der Love-Parade in Duisburg und Hunderte von Verletzten. Keiner will Verantwortung übernehmen. · Kein Rezept für das Glück. · Und jüngst: „Verstörend anders“. Politisch-religiöse Kontroversen überlagern Trauer am Jahrestag des 11. September. Oder: „Von Brauchitschs nahmen sich das Leben“. Oder: „Die Bourgeoisie entlarven“. · Ständig mehr Leistung kann krank machen. Dazu sagte Josef Kardinal Höffner (1987): „Der Streß des Leistungsdrucks mit dem Ziel der ständigen Steigerung des materiellen Lebensstandards gefährdet den Menschen. Ohne zweckfreies Tun verkümmert der Mensch. Der Mensch ist immer ein Fragender gewesen. Er suchte sich selber zu deuten, wenn er malte, Figuren schnitzte, musizierte, dichtete. Es ist die Sendung von Kunst und Kultur, das Eigentliche, das Wesentliche, das Urbildliche [des Menschlichen] zum Aufleuchten zu bringen und sinnenhaft transparent zu machen…“. Bischof Friedhelm Hofmann: „Kunst und Kultur gehen aus einer gesteigerten Aufmerksamkeit in der Wahrnehmung von Wirklichkeit hervor, so wie unser Glaube dem Ist-Zustand ein kontrafaktisches „Noch nicht“ entgegensetzt und den Blick für jene [Lebens-] Bereiche schärft, die sonst leicht übersehen oder missachtet werden“.
Solche Überschriften lassen sich fast um beliebig weitere fortsetzen und die Beunruhigung, die daraus spricht, trifft durchaus den innersten Kern des Menschlichen.
Aber was hat dann diese Beunruhigung nun mit Philosophie zu tun? Jede philosophische Frage entzündet sich an einer solchen Beunruhigung und an der Wirklichkeit, in die der Mensch sich gestellt sieht und fragt dann darüber hinausgehend eben nach dem „Grundsätzlichen von Welt und Dasein“.
Josef Pieper, der Philosoph aus unserem schönen Münsterland, kommt hier unmittelbar zur Sache: „Er ist ein Philosoph, der wirklich über seine Sache schreiben kann [und reden kann], statt nur Fachmann in der Zurüstung des philosophischen Schreibzeugs zu sein.“, so schrieb es 1974 Ludger Oing-Hanhoff im „Philosophischen Jahrbuch“. Man braucht also keine fachwissenschaftliche Ausbildung und auch keine Fachsprache um philosophieren zu können, so wie wir auch keine Fachsprache brauchen um künstlerisch tätig zu sein, etwa ein Bild zu malen oder eine Plastik zu formen oder auch zu singen. Eine solche Fachsprache kann sogar mitunter hinderlich sein, wohl aber braucht man den klugen, intakten und nüchternen Menschenverstand und zugegeben, manchmal auch die Anstrengung und Genauigkeit des Begriffs und eben „Achtsamkeit des Denkens und Pflege des Wortes“, also die ganz normale Menschensprache in der ganzen Fülle ihrer Ausdrucksfähigkeit. Natürlich gepaart mit einer großen Portion Bedachtsamkeit. Pieper greift daher in all seinen Büchern und besonders in „Muße und Kult“ und „Was heißt Philosophieren?“ eben solche elementaren Fragen des Lebens auf, und stellt sie in die Grundvollzüge der menschlichen Existenz und buchstabiert daran die Grammatik des Unergründlichen, eben Philosophie. In diesem, oben beschriebenen Kontext fragte Josef Pieper schon 1948, also in der langsam beginnenden wirtschaftlichen und politischen Aufbruchphase Deutschlands und Europas:
„ Es scheint nicht die rechte Zeit zu sein, von der Muße zu reden. Wir sind doch dabei, ein Haus zu bauen; wir haben die Hände voll Arbeit. Ist nicht, bis das Haus fertig ist, die äußerste Anspannung aller Kräfte das Einzige, was nottut? Dieser Einwand wiegt nicht leicht. Wofern aber mit dem Bauen, über die Wahrung des nackten Lebens und über die Stillung der äußersten Notdurft hinaus, auch die Neuordnung des geistigen Besitzstandes gemeint ist, so muss, aller Argumentierung im Einzelnen voraus und zuvor, geantwortet werden: Gerade der neue Anfang, just die neue Grundlegung sind es, die eine Verteidigung der Muße notwendig machen.“ (Muße und Kult S. 47.)
Und an anderer Stelle:
„Wird es möglich sein, gegen das Andringen der totalen Arbeitswelt einen Raum der Muße zu behaupten oder gar zurückzuerobern, der ja nicht nur ein Bezirk sonntäglichen Behagens ist, sondern der Hegungsraum wahrhaften, ungeschmälerten Menschentums, der Freiheit, der echten Bildung, der Besinnung auf die Welt als Ganzes? Wird es mit anderem Wort also, möglich sein, den Menschen davor zu bewahren, ganz und gar „Arbeiter“ zu werden?“ Wie viel drängender heute solche ins Leben gehenden Fragen geworden sind und um wie viel mehr der Bereich des Menschlichen gefährdet ist, davon zeugen nicht nur die Zeitungsausschnitte, sondern die ganze uns umstellende Welt und Wirklichkeit. Dass dabei auch Kunst und abendländische Kultur im weitesten Sinn zur Sprache kommen müssen, ist fast selbstverständlich und dass die Philosophie diese Fragen nicht in einer rundum bündigen und zu allen Zeiten gültigen Formulierung beantworten kann, ist es auch. Ebenso müssen klarerweise auch andere Philosophen, Theologen, Schriftsteller und Künstler zu Wort kommen, das meint nicht nur Pieper. Zu nennen wären etwa Platon, nach Pieper der Ahnherr aller Philosophie, und andere griechische Philosophen, natürlich dann auch Thomas von Aquin, Augustinus und weiterhin Kant, Hegel, Husserl, Scheler, Heidegger, Gadamer und viele weitere, ebenso auch Künstler und Schriftsteller, wie beispielsweise Goethe, Schiller, Rilke, Hesse und ebenfalls viele weitere. Nirgends ist darin hier eine Vollständigkeit angedacht. Selten aber soll es sich um ein System von Philosophie handeln, meist wird eine konkrete Frage oder ein konkreter Anlass den roten Faden aufnehmen. Zum Beispiel die drei fundamentalen „Kantschen Fragen“:
Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?
Diese drei Fragen münden ein in die Grundfrage bei Kant:
Was ist der Mensch?
Josef Pieper zeigt aber darüber hinausgehend auch, wie man die Welt im Ganzen auch gutheißen kann, wie man also Lebensfreude und Gewinn im menschlichen Dasein erlangen kann. Das bedeutet „den Sinn für die Möglichkeit zu wecken, Anteil zu gewinnen an „dem Wunder in allem, was existiert“. Das will besagen: „Jedes Ding birgt und verbirgt auf seinem Grunde ein göttliches Ursprungszeichen; wer es zu Gesicht bekommt, ‚sieht‘, dass dieses und alle Dinge über jegliches Begreifen [hinaus] ‚gut‘ sind; er sieht und ist glücklich.“ Der unmittelbarste Ausdruck dieser Erfahrung des „Geheimnischarakters der Welt“ findet sich jedoch nicht [nur] in der Philosophie, sondern [auch] in Musik, Dichtung und Religion. Sie zeugen auf eindringlichere Weise vom „mirandum“ der Existenz, weshalb Pieper in seiner Verteidigung des kontemplativen Charakters der Philosophie sich immer wieder auch auf die musischen Ausdrucksmöglichkeiten bezieht. „Im Alltäglichen und Gewöhnlichen das wahrhaft Ungewöhnliche und Unalltägliche, das mirandum, zu gewahren – das also ist der Anfang des Philosophierens“.“ Kinder in der ursprünglich fragenden Haltung und in der Selbstvergessenheit des Spiels sind damit Vorbild in der philosophischen Praxis! Nicht die Philosophie macht den Anfang, sondern zuerst kommen Staunen, Beunruhigung und Fragen zum Zuge, die in der Philosophie dann gestellt werden. Fragen nach Gerechtigkeit, Glück, Leid, Glauben, Fragen nach Sinn und Unsinn des Lebens,
Pieper geht also auf die Frage nach der Glückseligkeit des Menschen ein, die ebenfalls eine der menschlichen Grundfragen ist, wie auch die Frage nach den Tugenden des Menschen, also das „Äußerste von dem, was einer sein kann“ (ultimum potentiae) und auch nach Tod und Unsterblichkeit, und eben auch die Frage nach der „Muße“. Dass dabei Philosophie [Kunst und Kultur] und Theologie nicht getrennt gehalten werden können, aber dennoch je beide für sich genommen selbständig sind, ist ein weiteres wichtiges Anliegen Josef Piepers. Nietzsche, dieser Seismograph für das noch verborgen sich Ankündigende, sagt es im Grunde genommen schon völlig präzis: „um Freude irgend woran zu haben muß man alles gutheißen“. So glaube ich, verehrte Damen und Herren, mit Ihnen gemeinsam im Philosophischen Lesekreis auch Freude und Gewinn an einer vernünftig-rationalen Suche nach Antworten auf die großen Fragen unseres Lebens wach halten zu können. Und damit auch im Gespräch mit Ihnen, Piepers Auffassung vom „Philosophieren“ lebendig umzusetzen. Das ist dann auch eine, zugegeben, bescheidene Teilantwort auf meine obige Frage. Auf die größere und umfassendere Antwort freue ich mich mit Ihnen gemeinsam und wünsche uns allen dabei:
Gutes Gelingen! 5. Pause: Und machen nun nach echt philosophischer Manier erst einmal eine Pause von etwa 10 Minuten! Nach der Pause geht es dann weiter mit Ihren Wünschen, Ihren Erwartungen und Fragen an den PLK.
6. Fragen, Wünsche und Erwartungen der Teilnehmer an den PLK: (Siehe unten!)
7. Literatur zum PLK. Ein Spannungsbogen: 1. „Muße und Kult“ ein grundlegendes Werk Piepers. Dazu schreibt, in der Neuauflage von 2007, Karl Kardinal Lehmann: „Es ist erstaunlich, mit welcher Intensität Josef Pieper eine tiefe Not unserer Zeit erkannt hat und auch um ihre Heilung wusste“. Die Aufsätze: „Arbeit-Freizeit-Muße“ (1953), „Muße als menschliche Existenz“ (1959) und „Gottgeschenkte Atempause. Arbeit-Muße-Sonntag-Fest “ (1980).
2. Romano Guardini: Der Sonntag, gestern, heute und immer; topos Taschenbücher 2008.
3. Hermann Hesse: Die Kunst des Müßiggangs; Suhrkamp-Taschenbuch100 1973.
4. W. Weischedel: Die philosophische Hintertreppe; Verlag nymphenburger 19.Aufl. 1998
Zusammenfassung der letzten Sitzung des PLK:
Bis zur nächsten Sitzung liebe Grüsse: G. H. |

