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Diese Geschichte handelt von einem auf eine gewöhnliche Weise ungewöhnlichen Mann. Dieser Mann heißt Herr Friedrich und wohnt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Mühlhausen in einem schönen Einfamilienhaus. Seine beiden 7jährigen Zwillingssöhne interessieren sich für Angeln und träumen davon, später mal einen eigenen Bonbonladen und ein riesiges Aquarium voll mit exotischen Fischen zum Bestaunen zu haben. Doch das weiß Herr Friedrich nicht. Seine Frau hat gestern die Weihnachtsdeko an den Fensterscheiben aufgehangen und einen kleinen Keramikschneemann vor die Haustür gestellt. Doch das sieht Herr Friedrich nicht. Herr Friedrich denkt an seine Firma und an die Aufträge, die er pünktlich erledigen möchte. Er fragt sich, ob er sich bei dem neuen BMW wirklich für die schwarzen Lederbezüge entscheiden soll. Er wundert sich, warum sein Kollege beim diesjährigen Bonusprogramm in der Firma besser abgeschnitten hat als er. Er vermerkt sich auf einem kleinen Notizzettel, dass er seiner Sekretärin noch Bescheid sagen muss, dass sie die PC-Spiele von Saturn für seine Jungs mitbringen soll. Er macht sich Gedanken über die Weihnachtsfeier, die er und seine Frau dieses Jahr geben wollen. Haben sie auch wirklich alles gut durchgeplant? Und schafft er es vielleicht noch, einen Arzttermin zwischen der Besprechung und dem Dinner für morgen zu schieben? Sein Herz rast schon wieder so und er spürt ein Engegefühl in der Brust. Weihnachten. Herr Friedrich käme zu dem Schluss, dass er Weihnachten nicht mag, wenn er sich einen Moment nehmen würde und darüber nachdächte. Noch mehr Stress. Mehr freundliche Worte, an die zu geben man denken muss. Noch mehr Veranstaltungen. Noch mehr, anstatt endlich nicht mehr.
Doch heute passiert etwas sehr Seltsames mit Herrn Friedrich. Heute Nacht hat Herr Friedrich einen Traum. Aber er träumt nicht von Firmen, Besprechungen, BMWs oder Dinners. Er träumt von Weihnachten und in seinem Traum sieht Herr Friedrich einen riesigen Bonbonladen mit einem riesigen Aquarium, in dem riesige Fische schwimmen. Und vor diesem Aquarium sieht er seine beiden Söhne mit noch viel riesigeren Augen, die strahlen und lachen. Er sieht, dass der Laden voll mit schöner Weihnachtsdekoration ist, wovon jedes Teil mit Liebe seinen eigenen Platz gefunden hat. Und er weiß, dass dieses kleine Meisterwerk nur die Handschrift seiner Frau tragen kann. Er sieht sich selbst mit seiner Familie, wie sie um einen bunt dekorierten, mit Lichtern verzierten Weihnachtsbaum stehen und sich alle ganz nah sind. Er schaut auf eine kleine Kommode und sieht eine kleine Uhr. Sie ist stehen geblieben. Und er fühlt, dass es gerade Weihnachten, diese doch so hektische Zeit ist, die ihm diese Zeit schenkt. Diese Zeit mit den Menschen, die ihm so am Herzen liegen, wenn er nur die Augen aufmacht. Und dann sieht er in einen kleinen Spiegel, der über der Kommode hängt. Und er sieht, dass er selbst Tränen in den Augen hat. Wenn Herr Friedrich heute Morgen aufwacht, weiß er, dass diese Nacht etwas Besonderes mit ihm passiert ist. Er weiß nicht genau, wie das passieren konnte, doch er weiß, dass sich etwas dank dieses Traumes in ihm veränder hat. Und es fühlt sich gut an. Herr Friedrich weiß, dass dieser geschenkte Traum ein wahrlich traumhaftes Geschenk ist. Und weil diese Geschichte auf eine gewöhnliche Weise ungewöhnlich ist, handelt sie nämlich gar nicht von Herrn Friedrich. Vielleicht fängt sie dort an, aber aufhören sollte sie woanders, bei uns. Ruth Helmich
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